Péter Korniss

Eine Kurzbiografie des ungarischen Fotografen

Péter Korniss, 1937 in Siebenbürgen (Klausenburg) geboren, zieht als Zwölfjähriger mit der Familie nach Budapest um. In der ungarischen Hauptstadt beginnt er nach dem Abitur ein Jurastudium, das er wegen seines Engagements während des Aufstands 1956 abbrechen muss. Das Universitätsverbot führt 1957 zu einer Neuorientierung und ersten Kontakten mit der Fotografie. Seit 1958 ist Korniss dann zunächst als Hilfsarbeiter bei der Fotografengenossenschaft „Fényszöv“ tätig, zwischen 1961 und 1991 arbeitet er sich bei der populären Frauenzeitschrift „Nők Lapja“ (Auflage 1981: 1.027.000 [1]) vom Assistenten zum Fotoreporter und schließlich zum Fotoredakteur hoch. Nach dem Systemwechsel in Ungarn 1989/1990 ist er für die Theater-Zeitschrift „Színház“ sowie als freier Fotograf tätig.

Péter Korniss engagiert sich seit den 1970er-Jahren in ungarischen und internationalen Beiräten, Gremien und als Jurymitglied bei Fotowettbewerben (z.B. World Press Photo, Czech Press Photo, W. Eugene Smith-Stiftung, Verband der Ungarischen Fotokünstler). Die thematische Bandbreite seines Werks erstreckt sich auf unterschiedliche Orte sowie Formen des menschlichen Miteinanders: Ballett, Volkstanz, die Dörfer Mittelosteuropas, Tanzhäuser, Kneipen, Arbeiterwohnheime in der Großstadt, sogenannte Arbeiterzüge, religiöse Rituale etc. Korniss versteht sich als dokumentarischer Fotograf, der die Aufgabe hat, das, was ihm begegnet, mit Hilfe der Kamera festzuhalten. Er bezeichnet sich selbst als involvierten Fotoreporter, der sich stets mit den Menschen, die er fotografiert, intensiv beschäftigt. Dafür stehen exemplarisch auch seine zwei bedeutendsten fotografischen Langzeitprojekte: die Siebenbürgen-Reihe (1967-2008) und die Reportage über ungarische „Gastarbeiter“ (1978-1988).

 

[1] Vgl. Irén Németi, Egy milliomos emlékiratai. A Nők Lapja főszerkesztője voltam [Memoiren einer Millionärin. Ich war Chefredakteurin von Nők Lapja], Budapest 1996, S. 220.

 

Ausgewählte Fotografien von Péter Korniss:

Strohhüte und Kopftücher: Péter Korniss erste Begegnung mit einem traditionellem Tanzhaus im Dorf Szék (Szék auf ungarisch, bzw. Sic auf rumänisch) in Siebenbürgen 1967.

Strohhüte und Kopftücher: Péter Korniss erste Begegnung mit einem traditionellem Tanzhaus im Dorf Szék (Szék auf ungarisch, bzw. Sic auf rumänisch) in Siebenbürgen 1967.

Szék, Rumänien, 1971: Schülerinnen auf dem Weg nach Hause. Manche Mädchen benötigten für den Schulweg, den sie auch bei Schlamm oder Schnee täglich zurücklegten, bis zu eineinhalb Stunden.

Szék, Rumänien, 1971: Schülerinnen auf dem Weg nach Hause. Manche Mädchen benötigten für den Schulweg, den sie auch bei Schlamm oder Schnee täglich zurücklegten, bis zu eineinhalb Stunden.

Kinder beim Krippenspiel in einem dörflichen Haus (Szakmár, in der Nähe von Kalocsa in Ungarn, 1969)

Kinder beim Krippenspiel in einem dörflichen Haus (Szakmár, in der Nähe von Kalocsa in Ungarn, 1969)

Eine rumänische Frau wäscht die Wäsche ihrer Familie im Eisloch. (Desești, Rumänien,1973)

Eine rumänische Frau wäscht die Wäsche ihrer Familie im Eisloch. (Desești, Rumänien,1973)

Ein Hirte in Szék mit Beinprothese aus Holz: Der Mann verlor sein linkes Bein im Zweiten Weltkrieg. (Szék/Sic, Rumänien, 1976)

Ein Hirte in Szék mit Beinprothese aus Holz: Der Mann verlor sein linkes Bein im Zweiten Weltkrieg. (Szék/Sic, Rumänien, 1976)

Das Victory-Zeichen eines rumänischen Hirten am Rande der Straße (Region Szilágyság/Sălaj, Rumänien im Dezember 1989)

Das Victory-Zeichen eines rumänischen Hirten am Rande der Straße (Region Szilágyság/Sălaj, Rumänien im Dezember 1989)

Nach der Rumänischen Revolution 1989 verändert sich das dörfliche Lebensumfeld der Menschen rasant. Die Aufnahme zeigt englischsprachige Haarwaschmittelwerbung im Haus eines Mannes in der Region Kalotaszeg/Țara Călatei. (Magyarvalkó/Văleni, Rumänien, 1997)

Nach der Rumänischen Revolution 1989 verändert sich das dörfliche Lebensumfeld der Menschen rasant. Die Aufnahme zeigt englischsprachige Haarwaschmittelwerbung im Haus eines Mannes in der Region Kalotaszeg/Țara Călatei. (Magyarvalkó/Văleni, Rumänien, 1997)

Familienporträt aus dem Jahr 1997: Der Ehemann, die Ehefrau und ihr Sohn posieren in der "guten Stube" ihres Hauses. Die Kleidung der Männer und der neue Wandteppich im Hintergrund weisen auf die Verdrängung des traditionellen, dörflichen Lebensstils hin. (Szék/Sic, Rumänien, 1997)

Familienporträt aus dem Jahr 1997: Der Ehemann, die Ehefrau und ihr Sohn posieren in der „guten Stube“ ihres Hauses. Die Kleidung der Männer und der neue Wandteppich im Hintergrund weisen auf die Verdrängung des traditionellen, dörflichen Lebensstils hin. (Szék/Sic, Rumänien, 1997)

Zimmerdekorationen und Familienfotos in einem kleinen Dorf in der Region Máramaros/Maramureș in Rumänien. (Mănăstirea, Rumänien, 1997)

Zimmerdekorationen und Familienfotos in einem kleinen Dorf in der Region Máramaros/Maramureș in Rumänien. (Mănăstirea, Rumänien, 1997)

Eine Gruppe krippenspielender Frauen in einem Einkaufszentrum in Debrecen, wo dem Publikum seit einigen Jahren traditionelle Weihnachtsbräuche dargeboten werden. (Debrecen, Ungarn, 2009)

Eine Gruppe krippenspielender Frauen in einem Einkaufszentrum in Debrecen, wo dem Publikum seit einigen Jahren traditionelle Weihnachtsbräuche dargeboten werden. (Debrecen, Ungarn, 2009)

Krippenspieler aus der Region Szatmár in einer Plattenbausiedlung. Anfang Dezember findet in Debrecen ein Krippenspiel-Festival statt. Die Teilnehmer reisen aus entlegenen kleinen Dörfern an, um ihre Vorführungen in der Stadt zu präsentieren. (Debrecen, Ungarn, 2010)

Krippenspieler aus der Region Szatmár in einer Plattenbausiedlung. Anfang Dezember findet in Debrecen ein Krippenspiel-Festival statt. Die Teilnehmer reisen aus entlegenen kleinen Dörfern an, um ihre Vorführungen in der Stadt zu präsentieren. (Debrecen, Ungarn, 2010)

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