„Wir kommen jetzt in die Zeitung!“

Auf fotografischen Spuren italienischer „Gastarbeiter“ in der Wolfsburger Tagespresse 1962

Ein kurzer Blick auf die Überschrift, dann zum Bild oder andersherum – innerhalb von Sekunden entscheiden wir, ob wir einen Artikel weiterlesen wollen oder es beim ersten Eindruck belassen. Mitunter ist dieser erste Eindruck irritierend. So im Falle eines am 25. Oktober 1962 in der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ abgedruckten Beitrags, der auf der begleitenden Fotografie eine Einkaufssituation auf dem Wochenmarkt zeigt, jedoch mit Der erste Tag ohne Italiener-Transport! überschrieben ist.[1] Beides scheint im ersten Moment nicht zusammenzugehören. Bei genauerer Betrachtung der Fotografie sind zwei Männer mittleren Alters sowie eine Mutter mit Kind zu erkennen, die an einem Verkaufsstand auf dem Wolfsburger Wochenmarkt stehen. Der Verkäufer wendet den Betrachtenden den Rücken zu. Er reicht einem der beiden Kunden eine Bananenstaude. Beide Männer tragen Anzüge, einer der beiden trägt sogar eine Krawatte. Der Mann, der das Obst entgegennimmt, blickt allerdings nicht den Verkäufer an, sondern lächelt direkt in die Kamera. Auch der Mann neben ihm schaut freundlich in dieselbe Richtung. Die Frau steht etwas abseits und ist mit ihrer Handtasche beschäftigt. Sie wirft einen Seitenblick auf ihr Kind.

„Der erste Tag ohne Italiener-Transport!“, in: Wolfsburger Allgemeine Zeitung © vom 25. Oktober 1962, S. 10. Fotograf/in unbekannt

Der Zeitungsartikel, für den weder Journalist noch Fotografin aufgeführt werden, erschien etwa neun Monate, nachdem die ersten knapp hundert seitens der Volkswagen AG angeforderten italienischen „Gastarbeiter“ in Wolfsburg eingetroffen sind.[2] Aus der Bildunterschrift erfahren die Leser und Leserinnen, dass es sich bei dem Verkäufer um einen niedersächsischen Obstbauern, bei den Männern um italienische Industriearbeiter handelt. Das Motiv des Wochenmarkts als Ort regionaler Arbeitsstrukturen und Esskultur suggeriert eine gewisse Alltäglichkeit. Die Bildunterschrift unterstützt diesen Eindruck und setzt ihn in einen Zusammenhang multikulturellen harmonischen Miteinanders, allerdings mit einem irritierenden Moment: „Niedersächsische Obstbauern, italienische Industriearbeiter, afrikanische Bananen – auf dem Wolfsburger Wochenmarkt reimt sich alles ganz gut zusammen.“[3] Die Adjektive, die auf die unterschiedlichen Herkunftsorte hinweisen, formen einen Multi-Kulti-Dreischritt, der aber auf der Ebene der Substantive etwas holpert. Zwischen Obstbauern und der Ware Bananen muten auch die italienischen Industriearbeiter in der Aufzählung wie eine „Ware Arbeitskraft“ an.

Mithilfe der Fotografie allerdings kann das irritierende Moment anders aufgelöst werden. Die Szenerie der Einkaufssituation auf dem Wochenmarkt liefert dabei die Logik des Dreischritts: Sie bildet den Obstbauern als Verkäufer ab, die Italiener als Käufer und lediglich die Bananen als Ware. Eine Besonderheit dieses Bildes ist, dass die italienischen Arbeiter als Teil des alltäglichen Lebens gezeigt werden – neben dem Obstbauern und der Mutter mit Kind auf dem Wochenmarkt. Eine Fotografie wie diese steht den typischen Motiven von Ankunft, Arbeit im Werk oder Leben in der Unterkunft entgegen. Sie zeigt die Italiener nicht separiert, abgeschottet und auf sich gestellt, sondern als Teil des Wolfsburger Lebens.

Bereits Ende des Jahres 1962 waren es über 4000 „Gastarbeiter“, die – zumindest für eine Zeit – nach Wolfsburg gekommen sind, um zu arbeiten. Ungefähr 60.000 Italienerinnen und Italiener haben seit 1962 in Wolfsburg Station gemacht. Unter den 125.000 Einwohnern leben heute etwa 5500 Italienerinnen und Italiener.[4] Sie sind aus dem Stadtbild Wolfsburgs nicht mehr wegzudenken: Italienische Restaurants, Eiscafés und die Piazza Italia gehören ebenso zu Wolfsburg wie der italienische Sportverein Lupo-Martini, das Centro Italiano und gleich auf dem Bahnhofsvorplatz der L’emigrante, eine Skulptur Quinto Provenzianis, die einen Auswanderer zeigt und so auf die gemeinsame Geschichte Wolfsburgs und Italiens aufmerksam macht.

In diesem Artikel begebe ich mich auf eine Spurensuche in das Jahr 1962. In ihm untersuche ich, wie die Italiener in den ersten Monaten nach ihrer Ankunft in der Wolfsburger Tagespresse dargestellt wurden. Welche Fotografien zeigten die „Wolfsburger Nachrichten“ und die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ von den italienischen Arbeitskräften? Welche Informationen übermitteln uns die Bilder, die sich uns über schriftliche Quellen oder mündliche Überlieferungen nicht erschließen? Welche Rolle spielen sie für die Aussage des Artikels?

Aus unserem heutigen Alltag sind Bilder nicht mehr wegzudenken; sie begegnen uns überall: in Zeitungen, Zeitschriften, im Internet, auf Werbeflächen im städtischen Raum. Wir selbst können mit unseren Smartphones jederzeit qualitativ annehmbare oder sogar hochwertige Fotos aufnehmen und mit unseren Freunden auf der ganzen Welt teilen. Das war 1962 noch undenkbar. Bei diesem Ausflug in die Vergangenheit ist es sinnvoll sich zu vergegenwärtigen, dass vor etwa 56 Jahren Fotografien noch nicht als allgegenwärtige „Bilderflut“ über die Menschen gekommen sind. Während heute großformatige Farbbilder auf Zeitungsseiten selbstverständlich sind, gab es 1962 nur wenige schwarz-weiße und in der Regel kleinformatige Fotografien in den Tageszeitungen. Doch gerade weil Bilder noch nicht so zahlreich zu finden waren, erhöhte die Visualisierung eines Ereignisses seinen Nachrichtenwert.[5] Neben dem Fernsehapparat, der als Zeichen der Konsumindustrie in den 1960er Jahren in immer mehr Wohnzimmer Einzug hielt, versorgten Fotografie und Film die Bundesbürger mit den wichtigsten visuellen Informationen.[6]

Im Folgenden werden mehrere Artikel aus dem Jahr 1962 chronologisch in den Blick genommen. Zunächst wird die Berichterstattung kurz nach der Ankunft der ersten Italiener im Januar 1962 in den „Wolfsburger Nachrichten“ und der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ untersucht. Den zweiten inhaltlichen Teil bilden entsprechende Artikel, die im Verlauf des Jahres erschienen sind, während sich der dritte Abschnitt des Textes mit der fotografischen Darstellung des Streiks der italienischen Arbeiter im November 1962 beschäftigt. Die Analyse der Artikel in der zeitlichen Abfolge ihrer Erscheinung eröffnet die Möglichkeit, Entwicklungen in der Bildsprache und in der Auswahl der Motive zu untersuchen. Die Fotografien werden in ihrem zeithistorischen Kontext und vor dem Hintergrund des Bilderkanons der Gastarbeiterthematik analysiert. Ein Interview mit dem ehemaligen Chefredakteur der „Wolfsburger Nachrichten“, Eberhard Rohde, und seiner Ehefrau Rosemarie Rohde, die in den 1960er Jahren als Pressefotografin in Wolfsburg arbeitete, erlaubt Einsichten in die redaktionelle Entstehung und fotografische Arbeit. Die aufgeführten Aspekte werden jedoch nicht in Gänze zu jedem Bild behandelt, sondern je nach Kontext variiert.

 

Die Ankunft – Ein Sinnbild der „Gastarbeiter“-Thematik

Die ersten Bilder von den italienischen Arbeitskräften wurden der Wolfsburger Bevölkerung am 18. Januar 1962 in der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ vorgestellt. Der Artikel erschien damit bereits nur einen Tag später, nachdem in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar die erste Gruppe der Arbeitsmigranten in Wolfsburg ankam. Der mit Die ersten Italiener trafen bei uns ein überschriebene Beitrag wird von zwei nebeneinander abgedruckten quadratischen Fotografien flankiert.[7] Auf der linken Fotografie ist zu sehen, wie eine Gruppe junger Italiener gerade aus dem Zug steigt. Einige lachen in die Kamera, andere scheinen überrascht, fotografiert zu werden. Einer der Männer vorne im Bild balanciert einen Koffer in seinen Händen. Das Bild fängt buchstäblich die ersten Momente der Italiener in Wolfsburg ein. Motive auf dem Bahnhof von Ankunft und Abfahrt, beispielsweise von den in den Heimaturlaub aufbrechenden italienischen Arbeitern, sind typisch geworden für die „Gastarbeiter“-Thematik. Auch das als Ikone für die „Gastarbeiter“ geltende Bild des millionsten „Gastarbeiters“ Armando Rodrigues de Sá aus dem Jahr 1964, der ein Moped geschenkt bekam, wurde direkt nach dessen Ankunft auf dem Bahnsteig in Köln-Deutz aufgenommen.[8]

„Die ersten Italiener trafen bei uns ein“, in: Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 18. Januar 1962, S. 9, Fotograf/in unbekannt

Die Ankunftsmotive resultieren letztlich aus der Idee der Journalisten, die Arbeitsmigranten bereits auf dem Bahnhof mit der Kamera zu begrüßen; eine Idee, die eine medial verbreitete Perspektive der Mehrheitsgesellschaft auf diese Menschen unterstützte, wenn sie diese nicht gar formte: Sie wurden als Menschen auf Reisen gesehen, die für einige Zeit nach Deutschland kamen, die Bundesrepublik über kurz oder lang aber auch wieder verlassen würden. Die Ankunft war eine Ankunft auf Zeit. Die Kunsthistorikerin Burcu Dogramaci formuliert treffend: „Mit dem Bild des Bahnhofs und dem Koffer ist zudem verbunden, dass die Betreffenden niemals richtig an ihrem Zielort ankommen, ist doch der Bahnhof ein Umschlagplatz für Reisende, die nie lange dort verweilen.“[9]

Das Umdenken bei Politik und Unternehmen in der „Gastarbeiter“-Thematik war ein langwieriger Prozess. Erst als nach dem Anwerbestopp 1973 aus der Arbeitsmigration zunehmend eine Familienmigration wurde, realisierte die sozialliberale Bundesregierung, dass viele der gerufenen Arbeitskräfte Wurzeln in Deutschland geschlagen hatten. Im Jahr 1978 wurde das Amt des „Beauftragten der Bundesregierung für Ausländerfragen“ geschaffen und mit dem ehemaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Heinz Kühn besetzt. Im September 1979 legte Kühn sein Memorandum über „Stand und Weiterentwicklung der Integration der ausländischen Arbeitnehmer und ihrer Familien“ vor und forderte darin unter anderem die Anerkennung der faktischen Einwanderung – allerdings bei gleichzeitigem Ausschluss neuer Zuwanderung – sowie umfassende Integrationsmaßnahmen.[10] 

„Die ersten Italiener trafen bei uns ein“, in: Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 18. Januar 1962, S. 9, Fotograf/in unbekannt

Auf dem nächsten Bild ist eine Kantine zu sehen. Ein Koch verteilt Essen an die wartenden Männer. Es handelt sich, wie der Bildunterschrift zu entnehmen ist, um die Kantine des Volkswagenwerks. Die Kontextualisierung der Bilder liefert in diesem Fall den Hinweis zum Ort der Aufnahmen. Es ist der zukünftige Arbeitsort der Italiener, an dem sie ihre erste Mahlzeit einnehmen – und nicht an ihrem zukünftigen Wohnort. Die Männer wurden vom Bahnhof dem Artikel zufolge direkt ins Werk gefahren, erst im Anschluss brachte man sie in die Unterkunft, in der sie leben sollten. Auch dieses Bild zeigt damit einen typischen Ort, der mit der Gastarbeiterthematik im visuellen Gedächtnis verankert ist: die Räumlichkeiten des Arbeitgebers. Oft wurden die Arbeiter direkt während der Arbeit abgelichtet.

Die „Wolfsburger Nachrichten“ haben sich zur Illustrierung ein anderes Motiv ausgesucht: Es zeigt den Ort, an dem die italienischen Arbeiter zukünftig untergebracht werden sollten – die Baustelle der „Unterkunft Berliner Brücke“. Von den Holzhäusern ist auf der Fotografie noch nichts zu sehen, wohl aber ein programmatisches Hinweisschild: „Werksgelände! Der Aufenthalt im Unterkunftsgelände ist nur den Bewohnern der Unterkunft und den auf unsere Veranlassung hier Beschäftigten gestattet. Besuchern ist das Betreten nur nach vorheriger Anmeldung in der Unterkunftsverwaltung erlaubt.“[11] Ein Maschendraht um das Gelände gehörte in den 1960er Jahren ebenso zur Lebenswirklichkeit der Italiener in Wolfsburg wie ein reglementierter Zutritt von Besuchern, denen Einlass nur nach Anfrage beim Pförtner gestattet wurde. Das eigens für die Arbeitskräfte errichtete „Italienerdorf“ führte zu einer gesellschaftlichen Abschottung.

„Aktion der Gastarbeiter läuft in Wolfsburg gut an“, in: Wolfsburger Nachrichten vom 18. Januar 1962, S. 14, Foto: Rosemarie Rohde © mit freundlicher Genehmigung

 

3800 Italiener wohnen im Wolfsburger „Klein-Napoli“ – eine Reportage und ihre Entstehung

Nur zwei Tage, nachdem der Artikel mit dem eingangs beschriebenen Wochenmarkt-Foto in der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ erschienen ist, brachten die „Wolfsburger Nachrichten“ eine Sonderseite zu den Italienern. „Das war die erste große Sonderseite, die wir damals gemacht haben“,[12] berichtet der ehemalige Chefredakteur Eberhard Rohde.

„3800 Italiener wohnen in ‚Klein-Napoli‘,“ in Wolfsburger Nachrichten vom Sonnabend/Sonntag 27./28. Oktober 1962, Sonderseite, Foto: Rosemarie Rohde © mit freundlicher Genehmigung

Gemeinsam mit Rosemarie Rohde besuchte er im Oktober 1962 einen ganzen Tag lang das „Italienerdorf“. Die Pressefotografin fotografierte, er schrieb den Bericht. Entstanden ist ihre gemeinsame Reportage 3800 Italiener wohnen im Wolfsburger „Klein-Napoli“.[13] Die Italiener waren „das Thema Nummer 1, […] ein Tagesthema, das dauernd besprochen wurde“;[14] einen entsprechend hohen Stellenwert hatte es in der Redaktion.

„3800 Italiener wohnen in ‚Klein-Napoli‘“, in Wolfsburger Nachrichten vom Sonnabend/Sonntag 27./28. Oktober 1962, Sonderseite, Foto: Rosemarie Rohde © mit freundlicher Genehmigung

Eine Panoramaaufnahme auf dem Kopf der Sonderseite zeigt den Blick auf das sogenannte Italienerdorf von der Berliner Brücke aus. „Dieser Blick hat sich eingeprägt, wenn man über die Brücke kam“,[15] erinnert sich Rosemarie Rohde. Es ist das Gelände mit den doppelstöckigen Holzhäusern zu sehen. Die Bildunterschrift gibt genauere Informationen: „Das italienische Dorf in der Volkswagenstadt besteht aus 46 doppelstöckigen Holzhäusern, die in vier Bezirken auf einer 35 Hektar großen Fläche stehen. Jetzt wohnen hier rund 3800 Italiener.“[16]

Die anderen Bilder der Reportage zeigen Innenperspektiven. Der Blick auf das „Italienerdorf“ war den Wolfsburgern bekannt, nicht aber, wie es innerhalb des mit Maschendraht umsäumten Geländes und in den Holzhäusern selbst aussah. Die Reportage sollte folglich einen Einblick geben und die Bewohner vorstellen. Besonders in der Anfangszeit, so erinnern sich Eberhard und Rosemarie Rohde, sei die Stimmung gegenüber den Italienern skeptisch und teilweise auch feindlich gewesen.[17] Die Redaktion der „Wolfsburger Nachrichten“ betrachtete es als ihre Aufgabe, die Italiener positiv darzustellen. Sie habe versucht, der Bevölkerung zu vermitteln, es sei notwendig, „dass die [Italiener] […] für uns arbeiten und dass sich das Werk dadurch auch weiterentwickeln kann und es auch für die Bevölkerung sehr gut ist“. Entsprechend wohlwollend sind Text und Bilder der Reportage.

Bildunterschrift in der Zeitung: „In den Doppelhäusern führen von je einem Flur die Türen zu den Zimmern, die zweckmäßig eingerichtet sind.“ Sonderseite „3800 Italiener wohnen in ‚Klein-Napoli‘“, in Wolfsburger Nachrichten vom Sonnabend/Sonntag 27./28. Oktober 1962, Foto: Rosemarie Rohde © mit freundlicher Genehmigung

Man sieht die Seitenansicht eines der Holzhäuser mit dem Treppenaufgang. Vor den Eingängen wie auch auf der Treppe stehen italienische Arbeiter in kleinen Gruppen. Manche unterhalten sich, andere gucken neugierig in die Linse der Fotografin. Gegenüber der Presse seien die Italiener aufgeschlossen gewesen: „Die waren eigentlich ganz begeistert, die Italiener, als sie merkten, sie sollten fotografiert werden. Das war ja für die was ganz Neues. Wir kommen jetzt in die Zeitung! […] Das war für die schon so ein kleines Highlight des Alltags.“ Auf dem Rundgang durch die „Unterkunft Berliner Brücke“ wurden die Rohdes meistens von der Lageraufsicht begleitet. Diese unterbreitete ihnen Vorschläge, was sie sich anschauen sollten, und intervenierte teilweise auch. Beispielsweise wollte die Lageraufsicht zunächst nicht, dass sie die Stube, also den Gemeinschaftsraum, fotografierten. Die dominierende Rolle, die das Volkswagenwerk im Leben der Italiener spielte, wurde demnach auch sichtbar, wenn es darum ging, welche Ereignisse in die Zeitung kamen. Die werkseigene Pressestelle gab den Journalisten Hinweise, wann und wo etwas Besonderes los sei, und beeinflusste über diesen Weg auch die Berichterstattung über die Italiener.

„3800 Italiener wohnen in ‚Klein-Napoli‘“, in Wolfsburger Nachrichten vom Sonnabend/Sonntag 27./28. Oktober 1962, Sonderseite, Foto: Rosemarie Rohde © mit freundlicher Genehmigung

„Immer zufällig“ Motive und Stimmungen mit der Kamera einfangen, etwas „plötzlich sehen“, das sei ihr „Metier“, so beschreibt Rosemarie Rohde ihre Arbeitsweise beim Fotografieren. Sie vertraut bei ihrer Arbeit ganz auf ihren fotografischen Blick. Die Bilder oder Bildausschnitte für diese Reportage haben die Rohdes gemeinsam ausgesucht. „Wir konnten uns immer absprechen. Ziehst du das nochmal ab oder machst du den Ausschnitt größer?“ Sie versuchten die ausdrucksvollsten und passendsten Motive zu finden. Aber „manchmal war es nicht das Schönste, aber es gehörte, sagen wir mal, in den Bericht hinein, als Aussage“. Wenn die Rohdes eine Reportage erarbeiteten, musste alles eingespielt ablaufen. Bis mittags sollten die Fotografien fertig sein, die Rosemarie Rohde selbst in ihrer Dunkelkammer entwickelte. „Ich musste dann wieder zur Redaktion rasen mit dem Auto, und die [Bilder] wurden dann […] fertig gemacht bzw. aufgegeben.“ Per Expressgut wurden die Aufnahmen mit der Bahn nach Braunschweig gebracht. Dort wartete bereits ein Bote, der die Fotografien in die Druckerei brachte, wo sie noch einmal sortiert und für den Druck vorbereitet wurden.

Die anderen vier Fotografien zeigen folgende Motive: die Erstausrüstung, einen Einblick in die Kantine sowie einen in den Gemeinschaftsraum und einen Bolzplatz. Auf der erstgenannten Fotografie kniet ein Italiener auf dem Boden, in der einen Hand hält er eine Pfanne, in der anderen ein Sieb. Er schaut auf die Kochutensilien in seinen Händen. Auf dem Boden liegen noch eine Schüssel, ein Topf, Besteck und Kleiderbügel. Es ist die einzige Aufnahme, die einen der Männer alleine und in etwas näherer Perspektive zeigt. Der Text der Reportage beginnt mit der Vorstellung des Gastarbeiters Guido, der dort in „Klein-Napoli“ lebe und gerade die Nachricht erhalten habe, dass es Weihnachten vom Werk gestellte Sonderzüge geben werde, die die Männer nach Hause zu ihren Familien bringen. Ob es sich bei dem Mann auf der Fotografie um Guido handelt, wird nicht aufgelöst. Abgesehen von diesen beiden Beispielen werden die Italiener sowohl im Text als auch auf den Bildern eher als Gruppe oder in Gruppen dargestellt. Diese Perspektive erzeugt beziehungsweise erhält eine gewisse Distanz.

Ein weiteres Bild zeigt die Kantine, in der die Italiener laut Bildunterschrift „Waren des täglichen Bedarfs“ kaufen konnten. Diese wartet zugleich mit einem stereotypen Zusatz auf: „vor allem natürlich Spaghetti“.[18] Vor dem Hintergrund, dass die Italiener in den ersten Jahren oft als „Spaghettifresser“[19] verunglimpft wurden, erscheint dieser Hinweis aus heutiger Perspektive als wenig hilfreich für den Abbau von Vorurteilen.

„In den Kantinen können die Italiener Waren des täglichen Bedarfs kaufen, vor allem natürlich Spaghetti.“ Sonderseite „3800 Italiener wohnen in ‚Klein-Napoli‘“, in Wolfsburger Nachrichten vom Sonnabend/Sonntag 27./28. Oktober 1962, Foto: Rosemarie Rohde © mit freundlicher Genehmigung

Die Aufnahme des Bolzplatzes hingegen bietet Identifikationspotential, zeigt sie doch die neuen Stadtbewohner bei der allseits beliebten Ballsportart. Bereits im Oktober 1962 gründeten italienische Werksangehörige den Sportclub Lupo, zu Deutsch „Wolf“,[20] im Übrigen der erste von „Gastarbeitern“ gegründete Verein, der sich, nachdem er im September 1963 durch den Landessportbund Niedersachsen als ordentliches Mitglied aufgenommen wurde, in das bundesdeutsche Ligensystem einfügte. Bei den Spielen kamen sie mit den Deutschen in Kontakt, wenngleich es auch vielfach zu Auseinandersetzungen gekommen sein soll, da den Italienern die Fußballregeln zu strikt erschienen. Im „Italienerdorf“ gab es unterschiedliche Freizeitangebote für die Arbeiter, so neben den Bolzplätzen noch Bocciabahnen, italienische Zeitungen und Zeitschriften und Kinovorführungen – der Geistliche Don Parenti kümmerte sich um das Leben der Italiener außerhalb ihrer Arbeitsschichten.

„Mehrere Bolzplätze befinden sich auf dem Gelände des italienischen Dorfes, auf denen fleißig Fußball gespielt wird, natürlich mit großer südländischer Begeisterung. Außerdem stehen auch Bocciabahnen zur Verfügung.“ Sonderseite „3800 Italiener wohnen in ‚Klein-Napoli‘“, in Wolfsburger Nachrichten vom Sonnabend/Sonntag 27./28. Oktober 1962, Foto: Rosemarie Rohde © mit freundlicher Genehmigung

Auf dem letzten Bild sehen die Betrachtenden eine gesellige Zusammenkunft von italienischen Männern in einem der Gemeinschaftsräume. An einem Tisch sitzen zehn Männer. Ihre Aufmerksamkeit gilt etwas, das einer von ihnen auf den Tisch legt. Leider ist nicht zu erkennen, worum es sich dabei handelt. Ein Mann trinkt aus einer Flasche, kaum einer der Abgelichteten schaut in die Kamera. Auf dem Tisch liegt eingewickelt in Papier ein Laib Brot sowie etwas ebenfalls nicht genau zu Erkennendes. Das Bild übermittelt eine positive gesellige Stimmung. Die gewählte Perspektive suggeriert, mit an der Stirnseite des Tisches zu sitzen, und verstärkt diesen Eindruck.

„In den Gemeinschaftshäusern finden die Bewohner nicht nur ausreichend Platz, sondern Kantinen, in denen sie alle anderen Waren bekommen.“ Sonderseite „3800 Italiener wohnen in ‚Klein-Napoli‘“, in Wolfsburger Nachrichten vom Sonnabend/Sonntag 27./28. Oktober 1962, Foto: Rosemarie Rohde © mit freundlicher Genehmigung

Doch welche Informationen liefern uns diese Bilder, die über Texte und mündliche Überlieferungen nicht vermittelt werden können? Die Analyse der Reportage ermöglicht eine Antwort: Für die Leser und Leserinnen sollte diese Sonderseite Einblick geben in einen Ort, der von dem übrigen städtischen Geschehen abgegrenzt war. Die Bilder veranschaulichen, wie es in dem „Italienerdorf“ ausgesehen hat, wie die Menschen darin wohnten und zusammenlebten; sie vermitteln den Eindruck einer Augenzeugenschaft. In einer Zeit, in der Bilder nur sparsam in Tageszeitungen abgedruckt wurden, sollte diese Bildreportage eine Nähe zu den italienischen Arbeitskräften schaffen, die Lesenden mit hineinnehmen in das „Italienerdorf“.

 

Strategische Bilder – Der „Wilde Streik“ im November 1962

Am 4. November 1962, nur wenige Tage nach der positiv angelegten Reportage über die „Unterkunft Berliner Brücke“, kam es im Volkswagenwerk zu einem spontanen Streik der italienischen Arbeiter. Die Ereignisse und Motive, die zu diesem Streik geführt hatten, sind komplex und werden in der geschichtswissenschaftlichen Forschung unterschiedlich bewertet.[21] In einem Großteil der Arbeiten wird davon ausgegangen, dass die Ursachen in den „miserablen Lebensbedingungen der Arbeitskräfte“ und den „auf einem Ausbeutungsverhältnis beruhenden Arbeitsbedingungen bei Volkswagen“ lagen.[22] Nach den Recherchen von Hedwig und Ralf Richter waren es allerdings andere Motive und Auslöser, die zu den Geschehnissen führten: Am 4. November 1962 sei ein Italiener erkrankt; er wurde ins Krankenhaus gebracht, konnte aber nach kurzer Zeit wieder entlassen werden. Unter seinen Landsleuten aber habe sich das Gerücht verbreitet, der Erkrankte sei verstorben, da man ihm jede medizinische Hilfe verweigert habe. Das Gerücht habe sich aus der Nachricht über einen anderen italienischen VW-Arbeiter gespeist, der kurz zuvor eines natürlichen Todes gestorben sei.[23] Diese verwirrenden Nachrichten bewirkten, dass einige Bewohner durch die Unterkunft zogen und randalierten und noch am selben Abend einen Streik ausriefen.

Für eine solche Reaktion muss die Stimmung allerdings schon stark mit negativen Gefühlen aufgeladen gewesen sein. Richter und Richter entlarven in ihrer Untersuchung Berichte der italienischen Presse über die Situation der „Gastarbeiter“ in Wolfsburg als Ursache für die angespannte und aggressive Stimmung unter den Arbeitsmigranten. Demnach habe die Tageszeitung „La Stampa“ in einem sehr emotionalen Artikel am 3. Oktober 1962 unter anderem von Zusammenstößen von Arbeitsmigranten und der Wolfsburger Polizei berichtet, bei denen die Italiener regelrecht gefoltert worden seien. Italienische Arbeiter würden darüber hinaus bei der Volkswagen AG arbeitsrechtlich diskriminiert, es käme zu willkürlichen Entlassungen. Nach Hedwig und Ralf Richter sei der Grund für diese Art der Darstellung folgender gewesen: Die zur FIAT-Gruppe gehörende liberale Zeitung „La Stampa“ habe ein großes Interesse daran gehabt, dass nicht so viele italienische Arbeitskräfte zum Konkurrenten Volkswagen abwanderten. Es sei demnach um die Konkurrenz zweier großer Automobilhersteller um qualifizierte Arbeitskräfte gegangen.

Dieser und andere Erklärungsansätze aus der geschichtswissenschaftlichen Forschung lagen den Wolfsburger Tageszeitungen damals noch nicht vor. Beide Tageszeitungen stellten als Auslöser des Streiks den Todes- beziehungsweise Krankheitsfall der beiden Arbeitsmigranten sowie die Forderung nach einer ärztlichen Versorgung im „Italienerdorf“ auch nachts und am Wochenende dar. Sowohl die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ als auch die „Wolfsburger Nachrichten“ berichteten von den Auseinandersetzungen und Geschehnissen im „Italienerdorf“ – allerdings in unterschiedlicher Aufmachung. Letztere beschrieben zwar die Ausschreitungen, zeigten aber keine Bilder. Sie hätten versucht, das Geschehen nicht so dramatisch darzustellen, betont der damalige Chefredakteur Eberhard Rohde in der Retrospektive: „Wir haben dann da auch keine Krawallfotos gebracht.“[24] Der Nachrichtenwert der Berichterstattung sollte nicht noch durch eine Visualisierung gesteigert werden.

Die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ hingegen brachte zum Artikel Wilder Streik im Wolfsburger Italienerdorf drei Fotografien.[25] Sie hielten Momente des Geschehens fest: die Polizeihundertschaft etwa und die Menschenkette, die die Italiener bildeten, um die Unterkunft zu verriegeln. Auf einem Bild im rechteckigen Format zieht sich die Menschenkette der Italiener als Streifen horizontal durch das Bild. Rechts ist ein Gebäude zu erkennen, das vermutlich das Pförtnerhaus ist. Im Vordergrund laufen zwei Polizisten durch das Bild. Die Lichteinstrahlung ist auf dieser Schwarz-Weiß-Fotografie so hoch, dass sich der restliche Hintergrund und weitere Konturen im Licht auflösen. Diese Beleuchtung verleiht dem Bild eine besondere Stimmung, da sie den Blick auf die Menschenkette lenkt, die sich eigentlich im Bildhintergrund befindet.

„Wilder Streik im Wolfsburger Italienerdorf“, in: Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 6. November 1962, S. 9, Fotograf unbekannt

Neben dieser Aufnahme ist eine kleine Fotografie abgebildet, auf der die Seitenansicht eines der Holzhäuser zu erkennen ist. Vier dunkel gekleidete Personen stehen davor. Auf den ersten Blick ist nichts Besonderes zu erkennen. Doch lässt sich bei genauerem Hinsehen ein Fleck auf der Bildfläche ausmachen, dem erst durch die Bildunterschrift Aufmerksamkeit und Bedeutung zukommt: „Unser Fotograf setzte sich der Gefahr aus, von Erdklumpen getroffen zu werden, als er einige Schnappschüsse riskierte.“ Dieser Augenzeugenbericht mit fotografischem Belegmaterial dokumentiert den Ausnahmezustand und stellt die Handlungen der Italiener in den Vordergrund, die augenscheinlich nicht davor zurückschreckten, handgreiflich zu werden beziehungsweise mit Erdklumpen nach Pressefotografen zu werfen.

Das untere Bild rundet das Narrativ des Ausnahmezustands, der von der Polizei in den Griff bekommen werden musste, noch ab, indem es die zusätzlichen aus Braunschweig angeforderten Einsatzkräfte der Polizei zeigt. Während im Hintergrund die Italiener das Gelände absperren, sitzen die Einsatzkräfte in ihren Einsatzwagen. Die Bildunterschrift ordnet die Fotografie wie folgt ein: „Bereitschaftspolizei aus Braunschweig stand abwartend vor den Toren des Italienerdorfes. Sie war von der Wolfsburger Polizei zur Verstärkung herbeigeholt worden. Die Braunschweiger brauchten jedoch nicht einzuschreiten. Allein ihre Anwesenheit verhütete Ausschreitungen.“

Gut möglich, dass 1962 durch das Zeigen der Bilder der Nachrichtenwert des Krawalls erhöht wurde – und die Italiener und auch das Volkswagenwerk negativ dastanden. Auf der anderen Seite inszenierte dieser Artikel die Italiener nicht nur als Arbeitskräfte, sondern als eine Menschengruppe, die versuchte, für ihre Rechte einzustehen.

„Wilder Streik im Wolfsburger Italienerdorf“, in: Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 6. November 1962, S. 9, Fotograf unbekannt

Fazit

Wenn wir uns abschließend die Fotografien in der Abfolge ihres Erscheinens vor Augen führen, so lässt sich durchaus eine Entwicklung in der Wahl der Motive und in der Bildsprache ausmachen: Während die ersten Fotos die Arbeitsmigranten als „Reisende“ und zukünftige „Arbeitskräfte“ im Volkswagenwerk inszenieren, versuchen sowohl das Bild auf dem Wolfsburger Wochenmarkt als auch die Reportage zu den Italienern in der Unterkunft, eine gewisse Nähe herzustellen und die Männer als Teil des Wolfsburger Lebens zu zeigen. Mit der fotografischen Darstellung des Streiks im November 1962 sollte hingegen nicht „nur“ eine Nähe hergestellt werden, vielmehr nahm die Redaktion in Kauf, mit den Bildern vielleicht auch Reibung zu erzeugen, indem sie die italienischen Werksarbeiter als eine eigenständig handelnde Gruppe darstellte, die gegen ihren Arbeitgeber aufbegehrte.

 

 

[1] „Der erste Tag ohne Italiener-Transport!“, in: Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 25. Oktober 1962, S. 10. – Dieser Beitrag ist ein Nachdruck; die Originalveröffentlichung findet sich in: Das Archiv. Zeitung für Wolfsburger Stadtgeschichte, Nr. 11, November 2018, S. 1-5, online unter https://www.wolfsburg.de/newsroom/2016/04/27/12/57/das-archiv. Wir danken Alexander Kraus für die Genehmigung.

[2] Als „Gastarbeiter“ wurden Arbeitsmigranten bezeichnet, die im Zuge der Anwerbeabkommen zwischen 1955 und 1973 aus südeuropäischen Ländern in die Bundesrepublik gekommen sind. Die Bezeichnung „Gastarbeiter“ war zwar kein amtlicher Begriff, fand aber in der Alltagssprache vielfach Verwendung. Die Problematik des Begriffs liegt darin, dass er einerseits mit dem Wort „Gast“ die Erwartung suggeriert, dass die Arbeitsmigranten nicht langfristig in Deutschland bleiben würden. Andererseits wurden die eingewanderten Menschen mit dem Zusatz „Arbeiter“ auf ihre Arbeitskraft reduziert. Dass die Zusammensetzung beider Wörter ohnehin wenig Sinn ergibt, da man Gäste eigentlich nicht für sich arbeiten lässt, verleiht der Bezeichnung auch eine ironisch-abwertende Bedeutungsebene. Anfang der 1960er Jahre wurde die Bezeichnung „Gastarbeiter“ als bessere und freundlichere Alternative zu dem Begriff „Fremdarbeiter“ gesehen. Ein Jahrzehnt später hingegen war die Unzulänglichkeit des Begriffs Thema in den Medien: Der Westdeutsche Rundfunk veranstaltete sogar einen Wettbewerb, um eine geeignetere Bezeichnung zu finden. Siehe genauer bei Elisabetta Mazza, „Ein Ausländer ist ein Ausländer ist ein Ausländer oder; Die sprachlichen (Fehl-)Schritte in Richtung Interkulturalität: deutsche Bezeichnungen für Nicht-Inländer“, in: Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 2 (1998), H. 3, online abrufbar unter https://tujournals.ulb.tu-darmstadt.de/index.php/zif/issue/view/55 [7.1.2019].

[3] „Der erste Tag ohne Italiener-Transport!“, in: Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 25. Oktober 1962, S. 10.

[4] Hedwig Richter/Ralf Richter, Die „Gastarbeiter-Welt“: Leben zwischen Palermo und Wolfsburg, Paderborn 2013, S. 9-16.

[5] Gerhard Paul, Das visuelle Zeitalter. Punkt und Pixel, Göttingen 2016, S. 421.

[6] Ebd., S. 418.

[7] „Die ersten Italiener trafen bei uns ein“, in: Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 18. Januar 1962, S. 9.

[8] Veit Didczuneit, „Der „Vorzeigegastarbeiter“. Die Begrüßung des millionsten Gastarbeiter als Medienereignis“, in: Gerhard Paul (Hrsg.), Das Jahrhundert der Bilder. Bildatlas 1949 bis heute, Göttingen 2008, S. 306-313; Christoph Rass/Melanie Ulz, Armando Rodrigues de Sá revisited. Bildwissenschaftliche und historische Analysen im Dialog, in: dies. (Hrsg.), Migration ein Bild geben. Visuelle Aushandlungen von Diversität, Heidelberg/Berlin 2018, S. 419-445.

[9] Burcu Dogramaci, Fotografische Ihr-Bildungen. Migration in die Bundesrepublik der 1970er und 1980er Jahre im Blick der Kamera, in: Rass/Ulz (Hrsg.), Migration ein Bild geben, S. 9-33, hier S. 13.

[10] Ulrich Herbert, Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, Bonn 2003, S. 245f.

[11] Eberhard Rohde, „Aktion der Gastarbeiter läuft in Wolfsburg gut an“, in: Wolfsburger Nachrichten vom 18. Januar 1962, S. 14.

[12] Interview mit Eberhard Rohde und Rosemarie Rohde am 9. August 2018 in Wolfsburg. Ich bedanke mich herzlich bei Rosemarie und Eberhard Rohde für das Interview.

[13] Eberhard Rohde/Rosemarie Rohde, „3800 Italiener wohnen im Wolfsburger ‚Klein-Napoli‘“, in: Wolfsburger Nachrichten vom 27./28. Oktober 1962, Sonderseite.

[14] Interview mit Eberhard Rohde und Rosemarie Rohde.

[15] Ebd.

[16] Rohde/Rohde, 3800 Italiener wohnen im Wolfsburger „Klein-Napoli“.

[17] Hier und im Folgenden Interview mit Eberhard Rohde und Rosemarie Rohde (wie Anm. 12). Siehe dazu auch Richter/Richter, Die „Gastarbeiter-Welt“, S. 75 und S. 130-134. Anne von Oswald und Barbara Schmidt beschreiben, dass es noch bis in die 1970er Jahre hinein Spannungen gab, die sich unter anderem darin äußerten, dass einige Tanzlokale und Kneipen Einlassverbote für die Arbeitsmigranten verhängten. Anne von Oswald/Barbara Schmidt, „Nach Schichtende sind sie immer in ihr Lager zurückgekehrt …“ Leben in „Gastarbeiter“-Unterkünften in den sechziger und siebziger Jahren, in: Jan Motte/Rainer Ohliger/Anne von Oswald (Hrsg.), 50 Jahre Bundesrepublik – 50 Jahre Einwanderung. Nachkriegsgeschichte als Migrationsgeschichte. Frankfurt am Main 1999, S. 184-214, hier S. 201f.

[18] Rohde/Rohde, 3800 Italiener wohnen im Wolfsburger „Klein-Napoli“.

[19] Interview mit Eberhard Rohde und Rosemarie Rohde (wie Anm. 12). Bettina Severin-Barboutie beschäftigt sich in ihrem Aufsatz mit der Fremdwahrnehmung von Italienern in der Bundesrepublik und stereotypen Zuschreibungen. Siehe genauer bei Bettina Severin-Barboutie, Die Fremdwahrnehmung von Italienern und Türken in der Bundesrepublik, in: Oliver Janz/Sala Roberto (Hrsg.), Dolce Vita? Das Bild der italienischen Migranten in Deutschland. Frankfurt am Main 2011, S. 116-135, hier S. 125.

[20] Hier und im Folgenden: Richter/Richter, Die „Gastarbeiter-Welt“, S. 126f. Zur Vereinsgründung siehe die Akten im Stadtarchiv Wolfsburg (StadtA WOB), S 38 (33), U.S.I. Lupo-Martini.

[21] Hinweise auf die Forschungslage bei Hedwig Richter/Ralf Richter, Zum Streik der italienischen Arbeitsmigranten im Volkswagenwerk Wolfsburg 1962, in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung 7 (2008), H. 1, S. 72-88, hier S. 72; Anne von Oswald, Volkswagen, Wolfsburg und die italienischen „Gastarbeiter“ 1962-–75“, in: Archiv für Sozialgeschichte 42 (2002), S. 55-79, hier S. 71f., online unter library.fes.de/afs/derivat_pdf/jportal_derivate_00021341/afs-2002-055.pdf; dies., „Venite a lavorare con la Volkswagen!“ „Gastarbeiter“ in Wolfsburg 1962-1974, in: Rosmarie Beier (Hrsg.), Aufbau West – Aufbau Ost. Die Planstädte Wolfsburg und Eisenhüttenstadt in der Nachkriegszeit, Berlin 1997, S. 199-209, hier S. 204, online unter https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/aufbau_west_ost/katlg21.htm; Manfred Grieger, Zuwanderung und junge Industriestadt. Wolfsburg und die Migranten seit 1938, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte Bd. 81 (2009), S. 177-210, hier S. 200.

[22] Richter/Richter, Zum Streik der italienischen Arbeitsmigranten im Volkswagenwerk Wolfsburg 1962, S. 72.

[23] Hier und im Folgenden ebd., S. 76, 81f., 84, 88.

[24] Interview mit Eberhard Rohde und Rosemarie Rohde (wie Anm. 12).

[25] Hier und im Folgenden „Wilder Streik im Wolfsburger Italienerdorf“, in: Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 6. November 1962, S. 9.

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