Harburg in frühen Fotografien

Das Digitalisierungsprojekt des Archäologischen Museums Hamburg

Das älteste Foto des Museumsgebäudes – rechts mit dem Schild „Museum“ – auf einer Ansichtskarte von 1918. Fotograf: unbekannt, Quelle: Archäologisches Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg ©

Es gab eine Zeit, da wurden Fotos noch mit großem Aufwand auf zerbrechliche Glasplatten gebannt. Die kleinen Schätze messen 9 x 12 bis 18 x 24 Zentimeter und dürfen heute nur vorsichtig mit Handschuhen angefasst werden. Das Stadtmuseum Harburg gelangte seit seiner Gründung vor 120 Jahren in den Besitz umfangreicher Fotobestände und hat heute Tausende dieser wertvollen Glasplattennegative, die bisher im Museumsarchiv schlummerten. Sie wurden nun in mühevoller Arbeit im Rahmen der Digitalisierung der Bestände gesichtet.

In einem Klassenraum der Mittelschule für Jungen, der sogenannten Gelben Schule am heutigen Rathausplatz, wurde im März 1899 der erste Ausstellungsraum des Harburger Museumsvereins eröffnet. Fotograf: unbekannt, Quelle: Archäologisches Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg ©

Die Fotoglasplatten sind ein wesentlicher Teil der fotografischen Überlieferung Harburgs, mit dessen Hilfe sich der Wandel des Stadtbildes vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre nachvollziehen lässt. Darunter sind Originale bedeutender Harburger Fotografen wie etwa Carl Timm und Kurt Foige. Die Negative werden im Museum zurzeit fortlaufend digital erfasst, um die empfindlichen Fotografien dauerhaft zu sichern und sie in eine Datenbank zu integrieren. Sie stellen einen wichtigen Quellenbestand für die Stadt- und Regionalforschung sowie die Architekturgeschichte dar und drohten allmählich verloren zu gehen: Die hochempfindliche Filmschicht der Platten unterliegt chemischen Veränderungen, und das dünne Glas kann brechen. Dabei sind die Negative von höchster fotografischer Qualität, denn das große Format des Glasträgers ermöglicht eine Dichte und Schärfe, die heutige Kleinbildkameras trotz des technischen Fortschritts in den Schatten stellen.

Eine Ausgrabung auf dem Urnenfriedhof Petershöh am Kiekeberg im September 1906; rechts im Bild Museumskonservator Theodor Benecke. Fotograf: unbekannt, Quelle: Archäologisches Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg ©

Die Funde der Ausgrabung vom Urnenfriedhof Petershöh am Kiekeberg wurden in den Museumsräumen an der Kirchenstraße der Öffentlichkeit präsentiert. Fotograf: unbekannt, Quelle: Archäologisches Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg ©

Ab Herbst 2019 macht das Archäologische Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg ausgewählte Objekte seiner Sammlung auf einer digitalen Plattform öffentlich zugänglich. Zunächst werden die ältesten Fotos aus der fotografischen Sammlung des Stadtmuseums Harburg veröffentlicht, später folgen Objekte aus anderen Sammlungsbereichen. Die Daten werden regelmäßig aktualisiert, sodass die Zahl der online verfügbaren Objekte ständig anwächst. Der Aufbau webbasierter Datenbanken hat in den vergangenen Jahren auch im musealen Bereich großes Interesse gefunden. Die Gesellschaft vernetzt sich immer stärker, und gerade historische Inhalte sollten zunehmend online erschlossen und vermittelt werden. Besonders fotografische Bestände bieten künftigen Generationen einen wichtigen Zugang, damit sie ihre Fragen an unsere heutige Gegenwart und Vergangenheit verlässlich und im Kontext mit der schriftlichen Überlieferung beantworten können. Dazu ist es notwendig, das fotografische Kulturerbe digital zu erfassen – und das nicht nur, um die empfindlichen Fotografien zu schützen und zu bewahren, sondern auch, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein legendäres Bild: Der frühere Direktor des Museums Willi Wegewitz mit seinem Grabungshelfer Ludwig Schmidt auf dem Weg zur Ausgrabung des Urnenfriedhofes Vahrendorf, 1931. Fotograf: unbekannt, Quelle: Archäologisches Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg ©

Sammelnde Institutionen wie das Archäologische Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg stehen damit vor einer gewaltigen Herausforderung. Das Museum nimmt diese mit Hilfe der Elbe-Werkstätten an: Seit Beginn des Jahres 2018 unterstützt eine fünfköpfige Außenarbeitsgruppe der Elbe-Werkstätten das Museumsteam bei seiner Arbeit. Bereits ab Oktober 2017 konnten in einer ersten Projektphase 120.000 Originalaufnahmen professionell gescannt und in einer Datenbank erfasst werden. Das Archäologische Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg ist damit das erste Hamburger Museum, das eine solche Kooperation eingegangen ist. „Teilhabe am Arbeitsleben bedeutet gesellschaftliche Teilhabe“, sagt Jens Rabe, Betriebsleiter der Elbe-Werkstätten (Betriebe Elbe ReTörn für Menschen mit psychischen Erkrankungen). „Die Außenarbeitsgruppe im Archäologischen Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg bietet dies den Beschäftigten in vielfältiger Weise. Wir freuen uns über diese tolle Kooperation.“

Der legendäre Kutter „Hamburg“, mit dem Carl Kircheiß 1926 eine Weltumsegelung absolvierte, vor Anker am Kanalplatz. Fotograf: unbekannt, Quelle: Archäologisches Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg ©

Die Datenbank und das künftige Onlineportal entstehen außerdem in enger Zusammenarbeit mit der Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes in Göttingen (VZG), die darüber hinaus zusätzliche Kapazitäten zur Sicherung der wertvollen Bilddaten bereitstellt. Mit der schrittweisen Digitalisierung dieser Bestände wird ein systematischer Überblick über 150 Jahre Urbanisierung zur Verfügung gestellt und ein großer Quellenschatz für die regionale Forschung an Stadtgeschichte und Architektur erschlossen. Durch Querverweise und Rückkoppelungen der Objekte untereinander soll in Zukunft ein dichtes Netz an Informationen entstehen, das auch für schulische und private Recherchen genutzt werden kann. Die Digitalisierung der Sammlungsbestände soll nicht zuletzt auch dazu beitragen, mehr Menschen für das Museum zu begeistern.

Dass eine digitale Kopie kein Original ersetzen kann, ist derzeit in der aktuellen Sonderausstellung zu sehen: Die Ausstellung „Frisch entwickelt – Harburg in frühen Fotografien“, ein Ergebnis dieses Digitalisierungsprojekts, kann noch bis zum 16. Juni 2019 besichtigt werden. Auf 30 Fotografien nimmt die Präsentation die Besucherinnen und Besucher mit auf einen Streifzug durch die abwechslungsreiche Vergangenheit Harburgs. Die Ausstellung zeigt typische Straßenzüge, Plätze und Gebäude und bietet einen Blick auf Harburg, wie es sich von 1880 bis in die 1930er Jahre präsentierte. Viele Bauten prägen noch heute das Straßenbild und sind leicht wiederzuerkennen. Andere jedoch haben sich stark verändert oder sind ganz verschwunden. Sie wurden Opfer der Bombennächte oder der städtebaulichen Entwicklung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die ältesten Aufnahmen zeigen Harburg noch als historische Fachwerkstadt. Die frühe Industriestadt ist allerdings schon zu erkennen: Menschen auf dem Weg zur Arbeit, dampfende Schlote und der prosperierende Binnenhafen sind in den 1920er Jahren beliebte Motive der Fotografen. Die bisher überwiegend unveröffentlichten Bilder laden wie ein Fotoalbum Alteingesessene und Neu-Harburger zum Erinnern und Wiederentdecken ein.

 

Diese 1938 von dem Fotografen des damaligen Museums für Völkerkunde (heute MARKK) aufgenommenen Dias sind wahrscheinlich die ältesten Farbfotos von einer Ausgrabung in Hamburg und damit ein ganz besonderes Zeitzeugnis. Quelle: Archäologisches Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg ©

Quelle: Archäologisches Museum Hamburg | Stadtmuseum Harburg ©

Artikel kommentieren

Ihre Email wird nicht veröffentlicht.

AlphaOmega Captcha Classica  –  Enter Security Code