Visual History

Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses

Wer kontrollierte und bestimmte in der Krisen- und Umbruchphase des späten Staatssozialismus, welche Bilder in die Öffentlichkeit gelangten? Wie unterschieden sich diese Praktiken und der Umgang der Bildproduzenten mit ihnen in den einzelnen Ländern des Ostblocks? Welche Rolle spielen Schulbücher als visuelle Medien? Wie wird in ihnen die Geschichte des Staatssozialismus visuell repräsentiert? Wie nutzte die Wissenschaft das Medium der Fotografie, um ihre Forschungsergebnisse in der Öffentlichkeit sichtbar und nachvollziehbar zu machen? Welcher Techniken bediente sie sich dabei? Vor welchen Problemen stehen die Bildarchive im digitalen Zeitalter? Geht die Kompetenz der Bildarchivare verloren oder ergeben sich mit der Digitalisierung neue Möglichkeiten der historischen Kontextualisierung von historischen Bildmaterialien?

Dies sind einige der Fragen, denen sich das Verbundprojekt „Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses“ widmet, das zunächst für drei Jahre (bis 2015) im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens der Leibniz-Gemeinschaft gefördert wird.

Fotoapparate-Friedhof von Sonja Allocca

Fotoapparate-Friedhof von Sonja Allocca, gesehen in Berlin im April 2011.

Die historische Bildforschung erlebt bereits seit einiger Zeit einen gewissen Boom. Dennoch fehlt es an solider Grundlagenforschung zu den Akteuren und Institutionen, die das Bildgedächtnis moderner Gesellschaften geprägt haben. Über die Rolle, die Arbeitsweise und die beruflichen Wege von Pressefotografen ist schon vergleichsweise viel bekannt. Kaum erforscht ist der Anteil von Bildagenturen und Bildredakteuren an der Produktion und Distribution von Bildern. Gleiches gilt für den gesamten Bereich der Bildzensur oder der sich wandelnden technischen Möglichkeiten der Produktion, Bearbeitung und Verbreitung von Bildern. Hier setzt das Projekt mit seinen Forschungsvorhaben an.

Mit dem Portal visual-history.de entsteht darüber hinaus eine Kommunikations- und Informationsplattform, die aktuelle Einblicke in die wachsende Community der historischen Bildforschung und deren Aktivitäten liefern, die Vernetzung fördern und Debatten über methodische und theoretische Zugänge anstoßen soll.

Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses ist ein gemeinsames Forschungsprojekt des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF Potsdam), des Herder-Instituts in Marburg, des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig und des Deutschen Museums in München. Das Projekt leiten am ZZF Potsdam Dr. Annette Vowinckel und Dr. Jürgen Danyel. Mehr zu den Projekten und ihren Bearbeitern demnächst hier im Blog.

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