„Westliche Presse bei der Aufdeckung der Operation Gold“

Altglienicke, 24. April 1956: Westliche Fotografen werden nach Ost-Berlin bestellt, um dort die Aufdeckung der Spionageaktion der CIA „Operation Gold“ zu dokumentieren.

Altglienicke, 24. April 1956: Westliche Fotografen werden nach Ost-Berlin bestellt, um dort die Aufdeckung der Spionageaktion der CIA „Operation Gold“ zu dokumentieren. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-37695-0048 / CC-BY-SA

 

Zum Hintergrund:

Das Bild wurde vom Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst (ADN) am 25.4.1956 mit folgendem Text verbreitet:

„Zentralbild/Kollektiv, 25.4.1956, USA-Spionagetunnel unter DDR-Gebiet

Auf Einladung des amtierenden Militärkommandanten des sowjetischen Sektors von Berlin, Oberst Kozjuba, besichtigten am 24.4.1956 Vertreter der westlichen Presse den Spionage-Tunnel im Gebiet von Alt-Glienicke.

UBz [unser Bild zeigt]: Keine Einzelheiten ließen sich die westlichen Bildreporter entgehen.“

 

Die von CIA und Secret Service gemeinsam geplante „Operation Gold“ war eine der bekanntesten Spionageaktionen im Kalten Krieg. Ab 1953 wurde vom Westen aus ein Tunnel unter den Berliner Grenzbefestigungsanlagen angelegt, um über die amtliche Fernmeldeleitung östliche Nachrichten (Telefon und Telex) abhören zu können. Um das Informationsdefizit der alliierten Geheimdienste auszugleichen, sollten die in der Erde liegenden Kabel des sowjetischen Hauptquartiers in Karlshorst angezapft werden. Nach ersten Testaufnahmen während des Volksaufstands am 17. Juni 1953 erteilte der CIA-Chef Alan Dulles am 20. Januar 1954 die offizielle Genehmigung für den auf 600 Meter Länge geplanten Tunnel, der zur Hälfte in ostdeutsches Gebiet hineingegraben werden sollte.

Doch der Plan war bereits im Oktober 1953 durch den britischen Agenten George Blake verraten worden, der in sowjetischen Diensten stand. Das wurde den westlichen Geheimdiensten aber erst 1961 bekannt, sodass sie – mit Wissen der Russen – mehr als 350.000 Gespräche (25 Tonnen Tonbandmaterial) mitschnitten, die täglich von Hunderten von Analysten ausgewertet wurden. Im April 1956 kam es dann in Altglienicke unter großem propagandistischen Einsatz zur Freilegung des Tunnels als „inszeniertem Zufallsfund“ von sowjetischer Seite aus. Gezielt waren dazu Journalisten und Fotografen der westlichen Presse vom Militärkommandanten des sowjetischen Sektors von Berlin eingeladen worden. Viele Zeitungen veröffentlichten Einzelheiten der Aktion, die im Westen als wagemutiges Unternehmen, im Osten entsprechend scharf verurteilt wurde.

Im AlliiertenMuseum in Berlin werden Originalsegmente des Tunnels ausgestellt; Ende 2012 sind erstmalig Teile des Ost-Berliner Tunnelabschnitts gefunden worden und in den Besitz des Museums übergegangen.
Weitere Fotografien dazu:

Altglienicke: USA-Spionagetunnel unter DDR-Gebiet

Altglienicke: Sowjetische Offiziere und Vertreter der westlichen Presse

Altglienicke: Westliche Presse im Spionagetunnel

 

Weiterführende Informationen:

Bernd Stöver, Die Befreiung vom Kommunismus. Amerikanische Liberation Policy im Kalten Krieg, Köln 2002, S. 509f.

George Bailey/Sergej A. Kondraschow/David E. Murphy, Die unsichtbare Front. Der Krieg der Geheimdienste im geteilten Berlin, Berlin 1997, S. 268f., 286, 289f, 293.

AlliiertenMuseum (Hg.), „Ist ja fantastisch!“. Die Geschichte des Berliner Spionagetunnels, Berlin 2006

Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Gold

Christian Habbe, Spionage im Kalten Krieg. Als die CIA ihren Tunnel-Coup verpatzte, einestages, Zeitgeschichten auf Spiegel-online, 27.8.2009

Ein Kommentar “„Westliche Presse bei der Aufdeckung der Operation Gold“

  1. Sehr geehrte Frau Bartlitz,

    mit Interesse habe ich heute erstmalig die Internetseite visual history besucht. Ich freue mich, dass auch der Berliner Spionagetunnel Thema ist. Das AlliiertenMuseum ist das einzige Museum weltweit, welches Originalsegmente des Tunnels besitzt und auch ausstellt. Ende letzten Jahres sind erstmalig Segmente des Ost-Berliner Tunnelabschnitts gefunden worden und in den Besitz des Museums übergegangen. Über die Nachnutzung in der DDR bzw. durch die NVA konnten wir zu neuen Erkenntnissen gelangen. Vielleicht ist es möglich, die Museumspublikation ‚Ist ja fantastisch!‘. Die Geschichte des Berliner Spionagetunnels, AlliiertenMuseum (Hg.), Berlin 2006 bei den weiterführenden Informationen oben ergänzen?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Dr. Gundula Bavendamm

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