Gewinner der Sony World Photography Awards in Berlin

 

Seit dem 10. Juli und noch bis zum 20. September 2015 stellt der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V. zum ersten Mal die Siegerbilder der „Sony World Photography Awards“ in Berlin aus. Der Wettbewerb, der seit nunmehr acht Jahren ausgerichtet wird, zeigt in einer Vielfalt von Kategorien von Jugendlichen über Studierende bis hin zu Profifotografen die besten Arbeiten zeitgenössischer Fotografie und stellt mit insgesamt 183.737 Einsendungen aus 171 Ländern den größten seiner Art dar.

Die Awards werden durch eine Kooperation der World Photography Organisation (WPO) und von Sony ausgerichtet. Im Fokus steht besonders die Möglichkeit für Fotografierende jedes Reputationsniveaus, sich am Wettbewerb zu versuchen. Für die „Open Competition“, bei der jeder eines seiner Bilder online hochladen und sich somit am Wettbewerb beteiligen kann, wurden alleine dieses Jahr 79.264 Beiträge eingereicht. Hier zeigt sich der Unterschied zu anderen renommierten Fotografiewettbewerben, in denen häufig nur professionelle Fotografen berücksichtigt werden. „In der Open Competition wollen wir Menschen ansprechen, die sich denken ‚Das sind nette Bilder, aber meine sind besser!‘“, so Scott Gray,[1] Gründer und Geschäftsführer der World Photography Organisation. Seiner Ansicht nach grenzen sich die Sony World Photography Awards vor allen Dingen dadurch ab, dass sie der Fotografie in ihrem Wettbewerb mehr einen künstlerischen Wert zusprechen. „Im Gegensatz zu World Press Photo sagen wir auch noch mehr, dass Fotografie Kunst ist. Wir wollten ein coffee table book kreieren.“ Fotografie sei hierfür das Medium, so Gray. Die Umsetzung dieser Idee weiß auch die Ausstellung zu zeigen. Durch die thematische Vielfalt der Fotografien kann sich der Besucher treiben lassen und von seinen Interessen geleitet die Ausstellung erfahren.

Ein weiterer wichtiger Grundgedanke zur Förderung künstlerischer Fotografie ist auch der Studentenwettbewerb. Das Förderprogramm „Student Focus“ der WPO kooperiert mit mehr als 230 Universitäten weltweit, um junge Fotografen zu entdecken und zu unterstützen. Im diesjährigen Wettbewerb wurden die Studierenden aufgefordert, ein Einzelfoto zum Thema „Konsumkultur“ einzureichen. Die hierbei ausgewählten zehn Finalisten sollten anschließend eine Fotoserie zum Thema „Die Ränder unserer Städte“ erstellen und wurden mit ihren Tutoren zur Ausstellung der Sony World Photography Awards nach London eingeladen, um ihre eigenen Arbeiten dort sehen zu können. In der Finalrunde wurde die Russin Svetlana Blagodareva von der Staatlichen Polytechnischen Universität in St. Petersburg zur 2015 Student Photographer of the Year gekürt.

Fotografie aus der Serie "On the way to the edge" © Svetlana Blagodareva, Russia, Saint Petersburg State Polytechnic University, winner, Student Focus, 2015 Sony World Photography Awards

Fotografie aus der Serie „On the way to the edge“ © Svetlana Blagodareva, Russia, Saint Petersburg State Polytechnic University, Winner, Student Focus, 2015 Sony World Photography Awards mit freundlicher Genehmigung

Doch selbst für diejenigen, die nicht gewinnen, sieht Gray einen entscheidenden Motivationsmoment. Allein schon durch die Empfehlung ihrer Hochschule und das Aufzeigen der Möglichkeiten seien viele junge Fotografen schon motiviert worden, meint Gray und verweist auf die steigenden Zahlen der eingereichten Beiträge. Noch deutlicher zeige sich dies innerhalb des Jugendwettbewerbs, in dem Kinder und Jugendliche im Alter von 12-19 Jahren ihre Arbeiten einreichen können. Auch Arbeiten der Gewinner des Jugendwettbewerbs sowie besondere Empfehlungen der Jury werden in der Ausstellung im Willy-Brandt-Haus gezeigt.

© Yong Lin Tan, Malaysia, Winner, Youth Competition, 2015 Sony World Photography Awards

„Back Alley“ © Yong Lin Tan, Malaysia, Winner, Youth Competition, 2015 Sony World Photography Awards mit freundlicher Genehmigung

Trotz aller Fokussierung auf die Förderung junger fotografischer Talente spielen natürlich auch bei den Sony World Photo Awards die professionellen Fotografen eine große Rolle, deren Arbeiten in insgesamt 13 Kategorien von Architektur über Lifestyle, Menschen, Landschaft und Konzept bis hin zu Zeitgeschehen prämiert wurden. In der Ausstellung im Willy-Brandt-Haus fallen besonders die Arbeiten des US-Amerikaners John Moore ins Auge, der die Unsichtbarkeit des Ebola-Virus in einem Behandlungszentrum in Liberia einfing. Doch auch die Arbeiten des deutschen Fotografen Bernhard Lang, der in der Kategorie „Reisenals Sieger ausgezeichnet wurde, erwecken durch ihre strahlenden Farben Aufmerksamkeit. Für seine Fotoserie „Adria Aerial Views“ erstellte Lang seit 2010 Luftaufnahmen der italienischen Adriastrände und ihrer zahlreichen Besucher auf dem Handtuch und unter dem Sonnenschirm.

© John Moore / Getty Images, US, Winner, Current Affairs, Professional Competition, 2015 Sony World Photography Awards

„Blue Room“ aus der Serie „Ebola Crisis Overwhelms Liberian Capital © John Moore / Getty Images, US, Winner, Current Affairs, Professional Competition, 2015 Sony World Photography Awards mit freundlicher Genehmigung

"Untitled" aus der Serie "Aerial Views Adria" © Bernhard Lang, Germany, Winner, Travel, Professional Competition, 2015 Sony World Photography Awards

„Untitled“ aus der Serie „Aerial Views Adria“ © Bernhard Lang, Germany, Winner, Travel, Professional Competition, 2015 Sony World Photography Awards mit freundlicher Genehmigung

Eine Neuerung, die Gray ebenfalls betont, ist die Option der Fotografen, ihre Arbeiten direkt als Drucke zu verkaufen. Durch eine besondere Technologie können Besucher in der Ausstellung Drucke der Fotografien über ihr Handy bestellen. Hierbei geht der Erlös zu 100 % an die Fotografen, die den Preis der Bilder selbst festlegen können. Die WPO stehe lediglich beratend zur Seite, so Gray. Dies stünde auch in Verbindung mit der Aufgabe, die Fotografen im laufenden Jahr des Wettbewerbs soweit wie möglich zu unterstützen. „Die meisten künstlerischen Fotografen haben kein Presseteam oder die entsprechenden Verbindungen. Wir wollen diese Aufgabe für ein Jahr übernehmen“, führte Gray aus.

Die Stärke der Ausstellung liegt neben der thematischen Vielfalt vor allem in ihrer konzeptionellen Umsetzung der Niedrigschwelligkeit des Wettbewerbs. Nahezu unkommentiert und mit fließendem Übergang hängen die Fotografien der Jugendfotografen neben denen der professionellen Fotografen, während sich der Kreis auf der anderen Seite von der Open Competition über einige weitere professionelle Fotografen zu den Student Photographers schließt.

Nicht ersichtlich sind die Kriterien bei der Auswahl der Fotografien. So finden sich nicht sämtliche Platzierte aller Kategorien in der Ausstellung wieder. Durch die gelungene minimalistische Aufmachung fällt dies jedoch kaum auf.

Die Ausstellung im Willy-Brandt-Haus ist dienstags bis sonntags von 12-18 Uhr für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei, ein Ausweis jedoch erforderlich.


Willy-Brandt-Haus
Stresemannstr. 28, 10963 Berlin

[1] Zitate und Aussagen von Scott Gray hier wie im Folgenden aus einer Gesprächsrunde während der Pressevorbesichtigung der Ausstellung im Willy-Brandt-Haus am 9. Juli 2015.

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