Workshop: Lebensbilder – Bilderleben

Fotografien als biografische Quellen

Workshop Lebensbilder

Universität Bremen: Donnerstag, 8. Freitag, 9. September 2016 (Villa Ichon)

Nur wenige zeitgeschichtliche (Auto-)Biografien kommen heute ohne fotografische Abbildungen aus. Zumeist informiert ein kurzer Begleittext über den Gegenstand, Ort und Zeitpunkt der Aufnahmen. Doch über eine Illustration des biografischen Schreibens reicht die Verwendung von Fotografien selten hinaus. Die Auswahl der Bilder, ihr Wirklichkeitseffekt und ihre inszenatorische Dimension werden dabei kaum thematisiert. Auch eine Auseinandersetzung mit ihren Entstehungs- und Gebrauchsbedingungen, ihrer lebensgeschichtlichen Bedeutung und ihrem spezifischen Quellenwert fehlt in der Regel. Das mag daran liegen, dass die theoretische und methodische Diskussion darüber, welche Aspekte einer Lebensgeschichte durch Fotografien überhaupt erst augenfällig werden, wie diese sichtbar gemacht werden können und wie das Verhältnis von Fotografie und Biografie zu fassen ist, in der historischen Forschung bislang noch in den Anfängen steckt.

Im Workshop „Lebensbilder – Bilderleben“, der am 8. und 9. September an der Universität Bremen stattfinden wird, wollen wir uns daher mit den Erkenntnismöglichkeiten und -grenzen fotografischer Quellen für die historische Biografieforschung beschäftigen und nach der Beziehung von Bild und Leben fragen. Inwiefern bilden sich vergangene Leben in Fotografien ab? Wie werden Fotografien in (Auto-)Biographien eingesetzt und welche Botschaften, Konzepte und Vorstellungen vermitteln sie? Welche methodischen und theoretischen Zugänge – nicht zuletzt aus anderen Disziplinen – bieten sich für die Geschichtswissenschaft an, um Fotografien als biografische Quellen nutzbar zu machen, damit sich ihre Verwendung nicht in Illustrationszwecken erschöpft?

 

Programm
Donnerstag, 8. September

14.00 Uhr: Begrüßung und Einführung
(Franziska Meifort / Marcus Schönewald)

 

14.30 Uhr: Panel 1: Lebensbilder. Visuelle Erzählmuster in Auto-/Biografien

Thilo Neidhöfer (Linz): „Ein (vor-)bildliches Leben. Visuelle Narrative in Margaret Meads autobiografischen Schriften“

Adrian Krawcyk (Zürich): „Bai Xianyongs Mein Vater und die Republik. Fotobiografien über chinesische Militärführer und Geschichtsdiskurse in China“

 

16.00 Uhr: Kaffeepause

 

16.30 Uhr: Panel 2: Diesseits und jenseits der Bilder. Fotografien als biografische Spuren

Nadine Kulbe (Dresden): „Die Relevanz des eigenen Lebens vor dem Hintergrund der Geschichte. Fotografien und Autobiografien von Arbeiterfotografen zwischen 1920 und 1980“

Gintarė Malinauskaitė (Berlin): „ George Kadishs Fotografien des Holocaust. Lebensgeschichte(n) hinter Bildern“

 

18.00 Uhr: Pause

Erich Honecker. ADN-Bildarchiv, Fotograf unbekannt. Aufnahme vom 9.9.1950. Quelle: Bundesarchiv Bild 183-19204-2916 / Wikimedia Commons http://www.bild.bundesarchiv.de/archives/barchpic/search/_1473066343/?search%5Bform%5D%5BSIGNATUR%5D=Bild+183-19204-2916 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-19204-2916,_Erich_Honecker.jpg, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en

Erich Honecker. ADN-Bildarchiv, Fotograf unbekannt. Aufnahme vom 9.9.1950. Quelle: Bundesarchiv Bild 183-19204-2916 / Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

 

18.30 Uhr: Öffentlicher Abendvortrag
Prof. Dr. Martin Sabrow (Potsdam): „Bilder als Biografien. Das Beispiel Erich Honecker“

 

20.15 Uhr: Gemeinsames Abendessen im Bremer Ratskeller

 

Freitag, 9. September

9.00 Uhr: Begrüßung und Resümee des Vortages (Franziska Meifort / Marcus Schönewald)

 

9.15 Uhr: Panel 3: Geordnete Erinnerungen. Auto-/biografische Konstruktionsprozesse in privaten Fotoalben

Olli Kleemola (Turku): „Gekaufte Erinnerungen? Die Bedeutung gekaufter Fotografien in privaten Kriegsalben aus dem 2. Weltkrieg in Finnland und Deutschland“

Vida Bakondy (Wien): „Schichtungen, Brüche, Leerstellen. Zur Darstellung auto-/biografischer Erfahrungen von Flucht, Exil und Holocaust im privaten Fotoalbum“

Claartje Wesselink (Amsterdam): „The Wachenheimer family photo albums. The life of a German-Jewish family in the shadow of the Holocaust”

 

11.15 Uhr: Kaffeepause

 

11.30 Uhr: Kommentar / Abschlussdiskussion: Prof. Dr. Thomas Etzemüller (Oldenburg)

 

Ort
Villa Ichon, Goetheplatz 4, 28203 Bremen, www.villa-ichon.de

 

Kontakt:
Franziska Meifort
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Institut für Geschichte
Tel.: +49 (0)441 / 798-2913
franziska.meifort@uni-oldenburg.de

Marcus Schönewald
Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen
Tel.: +49 (0)421 / 218-69604
marcus.schoenewald@uni-bremen.de

 

Workshop-Ankündigung auf H-Soz-Kult

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