REZENSIONEN und TAGUNGSBERICHTE: H-SOZ-KULT

Johannes Jelgerhuis: De winkel van boekhandelaar Pieter Meijer Warnars (1820), Rijksmuseum Amsterdam. Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Magdalena Saryusz-Wolska/Anna Labentz: Bilder der Normalisierung. Gesundheit, Ernährung und Haushalt in der visuellen Kultur Deutschlands 1945-1948

Transcript – Verlag für Kommunikation, Kultur und soziale Praxis, Bielefeld 2017

Rezensiert von Leonie Treber, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

  Heutige Vorstellungen von der deutschen Nachkriegszeit sind vor allem durch Fotografien und Filmausschnitte bestimmt. Bilder von zerstörten Städten, Trümmerfrauen, Schlange stehenden Menschen und Deutschen, die von den Alliierten durch die befreiten Konzentrationslager geführt werden, prägen unsere medial vermittelte Erinnerung an diese Zeit. Damit geht die Annahme einher, dass solche Bilder auch den visuellen Kanon der Zeitgenossinnen und Zeitgenossen der unmittelbaren Nachkriegszeit bestimmt hätten. Doch diese Einschätzung ist falsch. Basierend auf den Forschungen zur Bildgeschichte und Entmythologisierung der „Trümmerfrau“ sowie zu Filmen und Fotos aus den Konzentrationslagern und der Feststellung, dass diese eben nicht zum „Mainstream der visuellen Kultur Deutschlands in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zählten“, versuchen die Kulturwissenschaftlerinnen Magdalena Saryusz-Wolska und Anna Labentz in ihrer Studie einen neuen Blick.

 

Julian Alton/Thomas Geldmacher/Magnus Koch/Hannes Metzler: „Verliehen für die Flucht vor den Fahnen“. Das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz in Wien

Wallstein, Göttingen 2016

Rezensiert von Ulrich Baumann, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

Vermag ein neun mal zehn Meter großes Betonmonument im Wiener Regierungsviertel einer in Österreich (und nicht nur dort) lange verfemten Gruppe von NS-Opfern zur würdigen Erinnerung zu verhelfen? Der ansprechend gestaltete Begleitband zu dem im Oktober 2014 eingeweihten Denkmal für die österreichischen Opfer der NS-Militärjustiz nähert sich dieser Frage aus verschiedenen Perspektiven. Die durch den deutschen Künstler Olaf Nicolai (geb. 1962) entworfene Skulptur besteht aus einem X, das sich als begehbarer dreistufiger Sockel auf dem Ballhausplatz befindet.

 

 

Jelena Jazo: Postnazismus und Populärkultur. Das Nachleben faschistoider Ästhetik in Bildern der Gegenwart

Transcript – Verlag für Kommunikation, Kultur und soziale Praxis, Bielefeld 2017

Rezensiert von Jessica Nitsche, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

„Nach wie vor ist der Nationalsozialismus Gegenstand nicht abreißender Debatten, unzählige Male wiederholtes mediales Thema.“ Liest man den ersten Satz des Buches „Postnazismus und Populärkultur“ der Medienwissenschaftlerin Jelena Jazo, könnte man meinen, die 1985 geborene Autorin wolle sich ein für alle Mal von diesem Thema verabschieden. Das Gegenteil ist der Fall. Jazo bietet eine zwar nicht völlig neue, aber weiterhin anregende Perspektive, indem sie faschistoide Ästhetiken in den Blick rückt und deren „Nachleben“ in der jüngeren und jüngsten populären Kultur untersucht. Wer wachen Auges durch die Welt geht, wird die These kaum bestreiten, dass sich in der Populärkultur der Gegenwart Phänomene beobachten lassen, die von einem durch Faschismus und Nationalsozialismus geprägten Bildprogramm beeinflusst sind.

 

 

Tagung: Photographing under Dictatorships of the Twentieth Century: Public Spheres and Photographic Practices

DFG-Projekt „Fotografie im Nationalsozialismus Alltägliche Visualisierung von Vergemeinschaftungs- und Ausgrenzungspraktiken 1933-1945“ , Humboldt-Universität zu Berlin, 26.10.2016 – 28.10.2016

Tagungsbericht von Anne Vitten

Kordelgebundenes Steckalbum mit herzförmig ausgesägtem Holzeinband. Quelle: Sammlung Ulrich Prehn © mit freundlicher Genehmigung

The concluding conference of the research project “Fotografie im Nationalsozialismus. Alltägliche Visualisierung von Vergemeinschaftungs- und Ausgrenzungspraktiken 1933-1945“, funded by the DFG, was opened by MICHAEL WILDT (Berlin), who welcomed the participants and led over to the keynote lecture. ANNETTE VOWINCKEL (Potsdam / Berlin) talked about image agents, the protagonists of photography distribution in the 20th century and defined them as the “stakeholders of the visual world”. Vowinckel raised the question of the difference between censorship vs. “regular” editorials and the role of the audience.

 

 

 

Tagung: 6. Kartengeschichtliches Kolloquium zu Ehren von Ingrid Baumgärtner

Martina Stercken, Professorin für Allgemeine Geschichte des Mittelalters und Vergleichende Landesgeschichte, Universität Zürich, 16.06.2017 – 17.07.2017

Tagungsbericht von Anna Hollenbach

Karl Spruner von Merz/Heinrich Theodor Menke: Hand-Atlas für die Geschichte des Mittelalters und der neueren Zeit, 3. Auflage, Gotha 1880, Karte 47. Lizenz: gemeinfrei

Das bereits zum sechsten Mal tagende Kartengeschichtliche Kolloquium kehrte in diesem Jahr an seinen Ursprungsort Zürich zurück, an dem es 2011 zum ersten Mal stattfand, ehe sich danach Essen, Kassel und Paris abwechselten. Unter Leitung von Ingrid Baumgärtner, Ute Schneider und Martina Stercken ermöglichte das Kolloquium Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, ihre Qualifikationsarbeiten im Bereich der Kartographiegeschichte vorzustellen, zu diskutieren und gemeinsam neue Zugänge zu finden. So betonte Gastgeberin Martina Stercken in ihrer Begrüßung den epochenübergreifenden und interdisziplinären Charakter, welcher eine Vielzahl an Fragestellungen sowie ein breit gefächertes Themenfeld eröffne.

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