NEUE REZENSIONEN: H-SOZ-KULT

Neue Bücher zum Thema historische Bildforschung – rezensiert auf H-Soz-Kult

Tanja-Milfoil: Folded Books, 24. Juni 2018. Quelle: Flickr, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Tim Wolfgarten: Zur Repräsentation des Anderen. Eine Untersuchung von Bildern in Themenausstellungen zu Migration seit 1974

Transcript Verlag, Bielefeld 2019

Rezensiert von Violetta Rudolf, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

Transcript Verlag ©

Wolfgarten untersucht 814 Ausstellungen, die Migration nach Deutschland thematisieren und die zwischen 1974 und 2013 „in Deutschland“ zu sehen waren (damit meint er die alte bzw. wiedervereinigte Bundesrepublik). Seinen Fokus richtet Wolfgarten auf die visuellen Narrative, die in Form von Bildern und Fotografien in den Ausstellungen vermittelt wurden bzw. werden (einige der Präsentationen sind noch online abrufbar). 13.049 Bilder hat er dafür untersucht, nicht anhand von Einzelbildanalysen – das wäre kaum zu leisten gewesen –, sondern in einer quantitativen Erschließung des Bildkorpus.

 

 

 

Aliya Abykayeva-Tiesenhausen: Central Asia in Art. From Soviet Orientalism to the New Republics 

Tauris Verlag, London 2016

Rezensiert von Helena Holzberger, redaktionell betreut durch Franziska Davies

Tauris Verlag ©

Viele Leser/innen werden sich sicherlich an die großen Ausstellungen sowjetischer Kunst wie „Agitation for Happiness“ (Russisches Museum, St. Petersburg, 1994) oder „Traumfabrik Kommunismus“ (Schirn, Frankfurt, 2003) erinnern oder zumindest durch Studium und eigene Forschung mit den Katalogen vertraut sein. Die Kunsthistorikerin Aliya Abykayeva-Tiessenhausen bemerkt in ihrer überarbeiteten Dissertation Central Asia in Soviet Art zu Recht, dass der Multiethnizität der Sowjetunion in diesen wichtigen Ausstellungen keine große Aufmerksamkeit geschenkt wurde, obwohl sie ein integraler Bestandteil sowjetischer Wirklichkeit war und auch entsprechend in der Kunst repräsentiert wurde.

 

 

Felix Rauh: Bewegte Bilder für eine entwickelte Welt. Die Dokumentarfilme von René Gardi, Ulrich Schweizer und Peter von Gunten in der Schweizer Entwicklungsdebatte, 1959–1986 

Chronos Verlag, Zürich 2018

Rezensiert von Christine Bischoff, redaktionell betreut durch Katharina Böhmer

Chronos Verlag ©

Mit seinen ethnografischen Filmen sowie Radio- und Fernsehsendungen prägte der Dokumentarfilmer René Gardi (1909–2000) maßgeblich das schweizerische Afrikabild von den 1950er- bis in die frühen 1980er-Jahre. In seinen Reiseberichten inszenierte und exotisierte er den Kontinent als „urweltliche Landschaft“ und die Menschen als „Könige ohne Untertanen“, wie es im Vorspann seines größten Filmerfolgs „Mandara“ (1959) über die gleichnamige Berglandschaft im heutigen Kamerun heißt. Obwohl sich Gardi als unpolitischer Mensch darstellte, war sein Blick auf Afrika von kolonialistischem Denken geprägt: So hob er in seinen Darstellungen immer wieder die positiven Folgen der Kolonisierung hervor.

 

 

Axel Doßmann/Susanne Regener: Fabrikation eines Verbrechers. Der Kriminalfall Bruno Lüdke als Mediengeschichte

Spector Books, Leipzig 2018

Rezensiert von Achim Saupe, redaktionell betreut durch Christoph Classen

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Der Historiker Axel Doßmann und die Kulturwissenschaftlerin Susanne Regener haben eine faszinierende, materialgetriebene, anschauliche und gut lesbare Mediengeschichte über den Fall eines Köpenicker Kutschers und Hilfsarbeiters geschrieben, der Ende der 1930er-Jahre wegen mehrerer kleinerer Diebstähle in die Fänge der Staatsmacht geriet.

 

 

 

 

Harriet Scharnberg: Die „Judenfrage“ im Bild. Der Antisemitismus in nationalsozialistischen Fotoreportagen

Hamburger Edition, HIS Verlag, Hamburg 2018

Rezensiert von Norman Domeier, redaktionell betreut durch Ulrich Prehn

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In die Geschichte der Pressefotografie der 1930er- und 1940er-Jahre ist in den letzten Jahren mehr Bewegung gekommen als in den Jahrzehnten zuvor. Vor allem die transatlantischen, mitunter globalen Verflechtungen der Produktion, Vermarktung und Nutzung von Pressefotos waren viel enger als bisher angenommen. Einen wichtigen Beitrag dazu hat 2016 Harriet Scharnberg mit ihrem Aufsatz zur Zusammenarbeit von Associated Press (AP) und NS-Deutschland bis zum Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 geleistet.

 

 

 

 

 

Renate Wöhrer (Hrsg.): Wie Bilder Dokumente wurden. Zur Genealogie dokumentarischer Darstellungspraktiken 

Kulturverlag Kadmos, Berlin 2015

Rezensiert von Thomas Weber, redaktionell betreut durch Christoph Classen

Kulturverlag Kadmos ©

Was ist eigentlich dokumentarisch? Diese Frage stellt sich nicht nur in der aktuell sich weiter ausdifferenzierenden Debatte über das Dokumentarische und seine vielfältigen medialen Formen und Formate, sondern sie hat historische Vorläufer, die bereits erstaunlich viel von den heutigen Diskursen vorwegnehmen: Der von Renate Wöhrer herausgegebene Sammelband „Wie Bilder Dokumente wurden” befasst sich mit der Herausbildung der Begrifflichkeit des „Dokumentarischen” im Spannungsfeld zwischen etablierten Praktiken der Verwaltung von Papierdokumenten und der Emergenz neuer technischer Medien der visuellen Aufzeichnung wie insbesondere das der Fotografie.

 

 

Kristina Volke: Heisig malt Schmidt. Eine deutsche Geschichte über Kunst und Politik

Ch. Links Verlag, Berlin 2018
Rezensiert von Norma Ladewig, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

Ch. Links Verlag ©

Der Band „Heisig malt Schmidt“ geht auf die Ausstellung „Bernhard Heisig. Das große Welttheater“ zurück, die 2010/11 im Kunst-Raum des Deutschen Bundestages stattfand und an deren Vorarbeiten die Autorin, die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Kristina Volke, beteiligt war. Durch Archivrecherchen rekonstruierte sie die Vor- und Entstehungsgeschichte des Kanzlerportraits, das Bernhard Heisig (1925–2011) im Jahr 1986 von Helmut Schmidt (1918–2015) gemalt hatte.

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