Bilder des Fremden

Fremd- und Selbstbilder von „Gastarbeiter/innen“ in den 1960er- und 1970er-Jahren in der Bundesrepublik

Im Fokus des Dissertationsprojekts steht die Analyse von „Fremd- und Selbstbildern“ von „Gastarbeiter/innen“. Diese werden anhand von Presse- und Privatfotografien mit und von (Arbeits-)Migrant/innen rekonstruiert und miteinander verglichen. Bezogen auf die Pressefotografien bedeutet dies, zu konkretisieren, welche Vorstellungen, Stereotype, Ideologeme und Mythologeme in den ausgewählten Printmedien „Der Spiegel“, „Stern“ und „Bild“-Zeitung über „Gastarbeiter/innen“ im Zeitraum von 1960 bis 1982 im Zusammenhang mit sprachlichen Aussagen wie Artikelüberschrift, Artikeltext und Bildunterschiften (re)produziert wurden. Und es gilt herauszuarbeiten, welche leitmedialen Funktionen die (visuellen) Berichterstattungen über „die Fremden“ für die westdeutsche Mehrheitsgesellschaft erfüllten, die nach 1945 ihre historische, gegenwärtige und künftige Gestalt aushandelte.

 

 Privatfotografie, ca. 1964, Herkunftsland Türkei, DOMiD-Archiv, Köln.

Privatfotografie, ca. 1964, Herkunftsland Türkei, DOMiD-Archiv Köln © mit freundlicher Genehmigung

Obschon ebenfalls identitätsstiftend, dienten die Privatfotografien für die in Westdeutschland lebenden (Arbeits-)Migrant/innen einem anderen Zweck. So fungierten Aufnahmen zum Beispiel mit dem eigenen PKW gegenüber Familienangehörigen in den Herkunftsländern als fotografischer Beleg für eine erfolgreiche Migration. Ferner divergierten die fotografischen „Selbstbilder“ der Migrant/innen drastisch von den oftmals diskriminierenden sprachlichen und fotografischen Darstellungen der „Gastarbeiter/innen“ in den untersuchten Printmedien. Um den unterschiedlichen Herstellungs- und Verwendungsweisen von Presse- und Privatfotografien gerecht zu werden, sind erstens eine an Michel Foucault orientierte (visuelle) Diskursanalyse und zweitens das Habitus-Konzept von Pierre Bourdieu und seine hiermit verbundenen Überlegungen zur „privaten Praxis“ der Fotografie zielführend.

Die zentralen Forschungsfragen lauten: Inwiefern überschneiden und unterscheiden sich die in den Printmedien vermittelten „Fremdbilder“ über „Gastarbeiter/innen“ von den „Selbstbildern“ der Migrant/innen? Gibt es ähnliche Motive? Wenn ja, wie werden diese fotografisch dargestellt und kontextualisiert? Welche (visuellen) Diskurstraditionen werden aufgegriffen, und welche Verschränkungen von Diskurssträngen sind auszumachen?

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