NEUE REZENSIONEN: H-SOZ-KULT

Neue Bücher zum Thema historische Bildforschung – rezensiert auf H-Soz-Kult

Klosterbibliothek Nová Říše (Tschechien ), von 1770. Foto: Wolfgang Sauber, 4. Juli 2018, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Maria Schindelegger: Die Armierung des Blickes. Margaret Bourke-Whites Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg

Neofelis Verlag Verlag, Berlin 2017

Rezensiert von Sandra Starke, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

  Margaret Bourke-White (1904–1971) war während des Zweiten Weltkriegs keine Berufsanfängerin mehr, sie hatte sich als Industrie- und Werbefotografin schon seit den späten 1920er-Jahren einen Namen gemacht. Nach Auftragsarbeiten für große Industrieunternehmen war sie ab 1930 verstärkt als Fotojournalistin tätig, mit Schwerpunkt auf Wirtschaftsthemen. Ihre Reisen führten sie nach Deutschland, Russland, Ungarn, Spanien, Großbritannien, Rumänien, Ägypten und in die Türkei. Seit 1936 stand sie für das neue Magazin „LIFE“ unter Vertrag, dessen innovative Bildredaktion primär Fotos zur Vermittlung von Inhalten heranzog.

 

Siehe auch: Marion Krammer: Rezension: Maria Schindelegger, Die Armierung des Blickes. Margaret Bourke-Whites Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg, in: Visual History, 10.07.2018

 

 

Martina Winkler: Panzer in Prag. Der fotografische Blick auf die Invasion von 1968

C.W. Leske Verlag, Düsseldorf 2018

Rezensiert von Silke Betscher, redaktionell betreut durch Sabine Stach

  Der Prager Frühling ist im Westen vor allem mit ikonischen Bildern seines gewaltsamen Endes durch die Invasion der Truppen des Warschauer Paktes am 21. August 1968 verbunden. Fotografien von demonstrierenden Menschenmengen und sowjetischen Panzern in tschechoslowakischen Städten, allen voran Prag, sind durch Printmedien und Filme popularisiert worden. Hieran anknüpfend hat Martina Winkler ihr jüngstes Buch zum „fotografischen Blick auf die Invasion von 1968“ mit „Panzer in Prag“ betitelt, welches pünktlich zum 50. Jahrestag des Einmarsches erschienen ist.

 

Siehe auch: Eva Pluhařová-Grigienė: Rezension: Martina Winkler, Panzer in Prag. Der fotografische Blick auf die Invasion von 1968, in: Visual History, 12.11.2018

 

 

Gerd Hurm/Anke Reitz/Shamoon Zamir: The Family of Man Revisited. Photography in a Global Age

I.B. Tauris, London 2018

Rezensiert von Evelyn Runge, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

  Eine der wichtigsten Ausstellungen in der Geschichte der Fotografie ist „The Family of Man“. Sie wurde nach vierjähriger Vorbereitung 1955 im Museum of Modern Art (MoMA) in New York City eröffnet und tourte danach ein Jahrzehnt lang durch die ganze Welt – dabei wurde sie von mehr als neun Millionen Menschen gesehen (S. 1). Kurator Edward Steichen wollte mit seiner Ausstellung ein Zeichen setzen für die Menschlichkeit, gegen den Kalten Krieg und gegen die Gefahr eines Atomkriegs. Seit 1994 ist „The Family of Man“ in Clervaux (Luxemburg) dauerhaft zugänglich; Steichen hatte diese Version der Wanderausstellung seinem Geburtsland Luxemburg vermacht (siehe den Beitrag von Anke Reitz im vorliegenden Band).

 

 

Jörn Wendland: Das Lager von Bild zu Bild. Narrative Bildserien von Häftlingen aus NS-Zwangslagern

Böhlau Verlag, Köln 2017

Rezensiert von Cornelia Brink, redaktionell betreut durch Christoph Classen

  Die (Erinnerungs-)Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager lässt sich auch im Comic erzählen. Das hat spätestens Art Spiegelmans Comic Strip „Maus“ gezeigt, dessen erste Folge 1980 in einem US-amerikanischen Comic-Magazin erschien. Dabei war Spiegelman keineswegs der erste, der diese Darstellungsform wählte. Hans Rosenthals „Mickey au Camp de Gurs. Publié sans autorisation de Walt Disney“ etwa entstand schon während seiner Lagerzeit. „Mickey au Camp de Gurs“ und weitere Bildserien, die Häftlinge in NS-Zwangslagern und unmittelbar nach ihrer Befreiung zeichneten, stehen im Zentrum der hier zu besprechenden Studie von Jörn Wendland.

 

 

Winfried Pauleit/Rasmus Greiner/Mattias Frey: Audio History des Films. Sonic Icons – Auditive Histosphäre – Authentizitätsgefühl

Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2018; plus USB-Stick mit PDF inkl. 23 Filmclips

Rezensiert von Nikolai Okunew, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

  Der Visual Turn hat trotz der Aufforderung Thomas Lindenbergers, Zeitgeschichte auch als Epoche der „Mitsehenden“ und „Mithörenden“ zu verstehen, selten dazu geführt, dass Bild und Ton von Filmen gleichermaßen in den Fokus der Geschichtswissenschaft rückten. Dem Übergewicht des Visuellen kommt der vorliegende Band bei, indem auch die Tonspur Gegenstand der Untersuchung sein soll. Den Autoren geht es weder darum, die Ton- von der Bildspur zu lösen, noch darum, ihre Audio History des Films an die Sound Studies anzuschließen, also an die generelle Geschichte der Klangproduktion und -aufzeichnung. Vielmehr möchten die Filmwissenschaftler Winfried Pauleit, Rasmus Greiner und Mattias Frey die Tonspur als einen ergänzenden analytischen Zugang nutzen, um die Beziehungen von Film und Geschichte zu untersuchen.

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